Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium und ein bisschen Tango

Schriftliches oder mündliches Abitur?

Hin­weis: Der fol­gen­de Bei­trag bezieht sich aus­schließ­lich auf das BAYERISCHE Abitur!

Du bist noch unschlüs­sig, ob du in Eng­lisch schrift­li­ches oder münd­li­ches (= Kol­lo­qui­um) Abitur machen sollst? Viel­leicht kann ich dir bei der Ent­schei­dungs­fin­dung hel­fen. 

Im Nor­mall­fall emp­feh­le ich jedem Schü­ler das SCHRIFTLICHE Abitur zu machen. Hier die bei­den wich­tigs­ten Grün­de:

Der wich­tigs­te Grund ist, dass du NICHTS WISSEN musst. Du musst ledig­lich ein paar Din­ge kön­nen, näm­lich wis­sen, wie man eine Fra­ge beant­wor­tet, wie man einen Auf­satz schreibt und wor­auf es bei einer Media­ti­on ankommt. Aber ansons­ten ist das schrift­li­che Abitur eine völ­lig iso­lier­te Ange­le­gen­heit. Es wird kei­ner­lei (Hintergrund-)Wissen ver­langt, du musst kei­ner­lei Bezü­ge zu irgend­was her­stel­len, es geht aus­schließ­lich um den von dir aus­ge­such­ten Text. Selbst beim Auf­satz gibt es immer läp­pi­sche Laber­the­men, zu denen wirk­lich jeder irgend­was daher­schwa­feln kann (2016 z.B. ob regio­nal iden­ti­ty etwas Gutes ist bzw. ob man Zoos abschaf­fen soll­te). Anders gesagt, du kannst pro­blem­los ein pas­sa­bles oder auch gutes Abitur schrei­ben, auch wenn du die vor­an­ge­gan­ge­nen Semes­ter die meis­te Zeit gepennt hast bzw. nicht anwe­send warst.

Seit 2016 hast du für den schrift­li­chen Teil (also ohne das Hör­ver­ste­hen) 240 Minu­ten, also vol­le vier Stun­den Zeit, das sind 50 Minu­ten mehr als noch 2015 (dem „län­der­über­grei­fen­den“ Abitur sei Dank). Das bedeu­tet, dass auch schlech­te Schü­ler (wenn sie nicht gera­de jedes zwei­te Wort im Lexi­kon nach­schla­gen müs­sen) aus­rei­chend Zeit haben und es eigent­lich kei­ne Zeit­pro­ble­me mehr gibt.

Beim Kol­lo­qui­um geht es hin­ge­gen aus­schließ­lich um WISSEN. Mach doch mal spa­ßes­hal­ber fol­gen­den, ganz ein­fa­chen Test. Nimm irgend­ein The­ma aus dem letz­ten Semes­ter (12/1) und fas­se in ca. 5 Minu­ten flüs­sig, struk­tu­riert und in gutem Eng­lisch zusam­men, wor­um es geht. Na, hat das geklappt? Dann nimm dir ein The­ma aus dem letz­ten Schul­jahr und mach das­sel­be noch­mal. Wenn du noch mehr als ein paar Bro­cken stam­meln kannst, bist du schon ein außer­ge­wöhn­lich guter Schü­ler. Beden­ke, dass du zwar aus der 11ten ein Semes­ter kom­plett aus­schlie­ßen kannst, aber über das ande­re Semes­ter wirst du wahr­schein­lich geprüft wer­den.

Vie­le Schü­ler unter­schät­zen auch die Län­ge der Prü­fung. 30 Minu­ten sind ver­dammt lan­ge. Erst musst du 10 Minu­ten lang ein Refe­rat zu dei­nem Schwer­punk­the­ma hal­ten, dann kom­men 5 Minu­ten Fra­gen zu dei­nem Refe­rat bzw. The­ma. Die ver­blei­ben­den 15 Minu­ten musst du Fra­gen zu den rest­li­chen The­men beant­wor­ten. So lan­ge hast du nor­ma­ler­wei­se noch nie am Stück gespro­chen (mehr oder weni­ger abge­le­se­ne „Refe­ra­te“ bzw. „Prä­sen­ta­tio­nen“ gel­ten hier nicht). Die Erfah­rung zeigt, dass vie­le Schü­ler im Lau­fe der Prü­fung sprach­lich regel­recht „ein­bre­chen“. Die lexi­ka­li­schen und gram­ma­ti­ka­li­schen Feh­ler häu­fen sich, sie ver­lie­ren immer häu­fi­ger den Faden und ver­spre­chen bzw. ver­hed­de­ren sich. Beden­ke auch, dass durch die gan­ze Prü­fungs­si­tua­ti­on dei­ne Ner­vo­si­tät viel grö­ßer und der Druck viel höher sind als im nor­ma­len Unter­richt. Das bedeu­tet, wenn du schon im nor­ma­len Unter­richt nicht (oder nur ungern) frei­wil­lig etwas gesagt hast, weil du dich unwohl / unsi­cher gefühlt hast, dann soll­test du auf kei­nen Fall das Kol­lo­qui­um machen.

Das Kol­lo­qui­um in Eng­lisch soll­test du über­haupt nur dann in Erwä­gung zie­hen, wenn du auch unter Prü­fungs­druck (z.B. in einer Rechen­schafts­ab­la­ge) dich gut, sou­ve­rän und struk­tu­riert aus­drü­cken kannst und wenn du dir Stoff ent­we­der leicht mer­ken kannst oder ihn dir zumin­dest ohne gro­ße Mühe (z.B. dank guter Auf­zeich­nun­gen) wie­der schnell erar­bei­ten kannst.

 

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Auf all deinen Wegen

  1. Mathias Kowoll

    ja, das kann ich so unter­schrei­ben. Ich den­ke nach drei­ma­li­ger G8-Erst­kor­rek­tur und zwei­ma­li­ger Zweit­kor­rek­tur, dass es im schrift­li­chen Eng­li­sch­ab­itur für einen gym­na­si­al begab­ten Schü­ler so gut wie unmög­lich ist, eine 5 oder 6 zu bekom­men. Selbst eine 4 wür­de ich für Schü­ler eines sprach­li­chen Gym­na­si­ums nur sehr sel­ten sehen, für sol­che mit z.B. eher insu­lä­rer natur­wis­sen­schaft­li­cher Bega­bung auch eher sel­ten. Bis letz­tes Jahr gab es da noch die münd­li­che Teil­prü­fung, die für man­che eine – oft eher psy­cho­lo­gi­sche – Hemm­schwel­le dar­stell­te und in Ein­zel­fäl­len die Note run­ter­riss. Aber eben in Ein­zel­fäl­len. Und die ist jetzt auch weg.
    Das heißt nicht, dass es nur Ein­ser gibt, denn da muss man gera­de in der schrift­li­chen Sprach­be­herr­schung schon was vor­wei­sen kön­nen. Aber mit ein wenig Mühe ist eine 2 oder 3 für die aller­meis­ten drin.
    PS: Wohl­ge­merkt, das bezieht sich auf die aktu­el­len Rege­lun­gen des schrift­li­chen baye­ri­schen Eng­li­sch­ab­iturs. Wir reden nicht vom Grund- oder Leis­tungs­kurs frü­her.

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