Die meis­ten Kol­le­gen prü­fen Hör­ver­ste­hen nur durch Ankreu­zen von True, Fal­se bzw. Not in the text ab. Mir ist das zu wenig, ich möch­te (wie auch beim Lese­ver­ste­hen) schon genau wis­sen, wie­viel der Schü­ler ver­stan­den hat.  

Zunächst ein­mal gibt es bei mir nur rich­tig oder falsch, denn Not in the text ist sehr häu­fig schwer von Fal­se abzu­gren­zen.

Zwei­tens kommt bei mir alles in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge. Die­ses Durch­ein­an­der, das wir beim Hör­ver­ste­hen oft im (baye­ri­schen) Abitur haben, fin­de ich völ­li­gen Quatsch. Sonst hal­te ich ja nichts von „rei­nen“ Kom­pe­ten­zen, in die­sem Fall bin ich aus­nahms­wei­se mal dafür. Ich will ein­fach nur Hör­ver­ste­hen über­prü­fen und NICHT kom­bi­na­to­ri­sche bzw. mnes­ti­sche Kom­pe­ten­zen.

Wenn es aber um kor­rek­te Recht­schrei­bung geht, bin ich aber wie­der ent­schie­den GEGEN die der­zei­ti­ge Rege­lung, dass Feh­ler nur „geahn­det“ wer­den sol­len, wenn sie „sinn­ent­stel­lend“ sind. Recht­schrei­bung und -hörung gehö­ren für mich zusam­men. Außer­dem hat der Schü­ler ja auch sein Lexi­kon vor sich lie­gen und kann die kor­rek­te Schreib­wei­se nach­schla­gen. War­um soll er es beim Hör­ver­ste­hen plötz­lich nicht benut­zen? Bei den eige­nen Klau­su­ren reißt man dem Schü­ler ja nor­ma­ler­wei­se nach Blatt nicht nach exakt 4 Minu­ten nach dem Fina­li­sing aus der Hand.

Ich will auch kei­ne mul­ti­tas­ka­ti­ven Kom­pe­ten­zen abprü­fen, des­we­gen bekom­men mei­ne Schü­ler Zeit zum Schrei­ben, weil ich beim ers­ten Durch­gang die Auf­nah­me immer wie­der stop­pe (beim 2. Durch­gang läuft sie durch). Solan­ge man nur ein­zel­ne Wör­ter in Lücken ein­set­zen soll, geht es ja noch, aber wenn es mehr als drei sind, wird es ziem­lich stres­sig sie zu schrei­ben und GLEICHZEITIG wei­ter zuzu­hö­ren. Das ist klas­si­sches Mul­ti­tas­king und das kann bekannt­lich kei­ner. Am bes­ten machst du mal eine Hör­ver­ste­hens­auf­ga­be als Schü­ler, dann ver­stehst du bes­ser was ich mei­ne.

Aus die­sem Grund ver­ste­he ich unser „You must not use your dic­tio­n­a­ries while the audio text is being pre­sen­ted“ auch über­haupt nicht. Nur ein Voll­depp käme doch auf die Idee, wäh­rend des Hörens ein Wort im Lexi­kon nach­zu­schla­gen. Und wenn das einer unbe­dingt machen will, dann soll er es doch machen! War­um soll ich ihn davon abhal­ten?

Das Ent­schei­den­de ist aber, dass der Schü­ler zusätz­lich zu True / Fal­se (mög­lichst wört­lich) die ent­schei­den­den Wör­ter hin­schrei­ben / zitie­ren muss, die bewei­sen, war­um etwas rich­tig bzw. falsch ist. Nur so erken­ne ich, ob jemand wirk­lich den Text ver­stan­den hat. Zu Recht for­dern ja die ISB-Hand­rei­chun­gen (auf S. 21), dass man bei Hör­ver­ste­hens­auf­ga­ben „über das rei­ne Ankreu­zen hin­aus mehr Detail­ver­ständ­nis ein­for­dern“ soll­te. Mei­ne Anwei­sung lau­tet des­halb immer: Ans­wer the fol­lo­wing ques­ti­ons or deci­de whe­ther the fol­lo­wing sen­ten­ces are true or fal­se. Sup­port your ans­wer by QUOTING the DECISIVE words.

Hier mal ein Bei­spiel zum The­ma „Robots“ (Text aus Words in Con­text, Kap. 17 „Robo­tics“ S. 218)

  1. 2 true “com­plex series of actions” A robot is a machi­ne that can car­ry out a num­ber of com­pli­ca­ted actions.
  2. 2 “forced labour” What does the word “robot” mean?
  3. 2 true “dan­ge­rous and mono­to­nous” Robots are used in hazar­dous and dull jobs.
  4. 3 “wel­ding, pain­ting and machi­ne loa­ding” Which examp­les of repe­ti­ti­ve jobs that are done by indus­tri­al robots are given?
  5. 2 Mars, deep sea Which two examp­les of “pla­ces that humans can­not reach” are given?
  6. 3 fal­se “fil­ter out shaki­ness” / “allow sur­ge­ons to ope­ra­te on pati­ents remo­te­ly” Robots can replace sur­ge­ons at micro­sur­ge­ry ope­ra­ti­ons.
  7. 3 true “search and res­cue ope­ra­ti­on fol­lo­wing ear­th­quakes” Robots can help to find peop­le in col­lap­sed houses.
  8. 3 fal­se “can be gui­ded remo­te­ly […] to defu­se bombs” Mili­ta­ry robots can remo­te­ly gui­de bombs.
  9. 3 true “deli­ver a the­ra­py to turn off can­cer genes” Nano­par­ti­cle robots can fight against can­cer.
  10. 2 “machi­nes might ulti­mate­ly take over con­trol” Which sce­n­a­rio has been por­tray­ed e.g. in Ter­mi­na­tor?

Die (fett for­ma­tier­te) Lösun­gen ist wie immer aus­ge­blen­det for­ma­tiert. Die Zah­len vor der Lösung zei­gen an, wie­vie­le Punk­te es für die ent­spre­chen­de Auf­ga­be gibt bzw. wie­vie­le Feh­ler ich maxi­mal anstrei­chen darf, wenn jemand gar nichts geschrie­ben hat.

Bei True / Fal­se Fra­gen gibt es zunächst ein­mal einen Punkt für die rich­ti­ge Ant­wort. Die rest­li­chen Punk­te hän­gen davon ab, wie­viel der Schü­ler schrei­ben muss. Bei 4. gibt es z.B. für jeden Begriff einen Punkt. Wenn jetzt jemand nur „loa­ding“ schreibt, bekommt er dafür nur einen hal­ben Punkt, wenn er das auch noch falsch schreibt („lou­ding“) gibt es gar kei­nen Punkt.

Wie immer möch­te ich nur das haben, wonach die Fra­ge expli­zit fragt. Für alles Über­flüs­si­ge zie­he ich (hal­be) Punk­te ab. Bei­spiel: Bei Fra­ge 5 oben schreibt einer nicht nur „Mars“, son­dern auch noch was die Robo­ter dort machen.

Auf die­se Art ist eine LC-Auf­ga­be sehr schnell erstellt und kor­ri­giert. Vor­aus­set­zung ist jedoch immer, dass der ent­spre­chen­de Text vor­liegt. Ohne Text­vor­la­ge eine LC-Auf­ga­be zu erstel­len ist sehr müh­sam und zeit­rau­bend, das soll­test du unbe­dingt ver­mei­den.