Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

Schreibzeilen

… auf  Schul­auf­ga­ben-Anga­ben sind für mich ein typi­scher Fall von „Ham­ma imma scho so gmacht“. Nie­mand kann mir sagen, wel­che VORTEILE es hat Schü­ler  statt auf nor­ma­les (DIN A4) Schreib­pa­pier direkt auf die Anga­be schrei­ben zu las­sen, aber (fast) alle machen es so.

Wohl­ge­merkt geht es im Fol­gen­den NICHT um kur­ze Lücken bei Ein­setz­übun­gen, son­dern um meh­re­re Schreib­zei­len für län­ge­re Tex­te, also z.B.:

II. Com­po­si­ti­on – Should tea­chers avo­id making unne­cessa­ry copies? Give rea­sons for your opi­ni­on. Wri­te about 150 words. (30 credits)

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Vor kur­zem pro­du­zier­te eine Kol­le­gin eine VIER­sei­ti­ge Schul­auf­ga­be, die anschlie­ßend auf DIN A3 dop­pel­sei­tig kopiert wur­de. Eine Sei­te bestand aus der eigent­li­chen Auf­ga­be, die zwei Zei­len umfass­te, der Rest waren Schreib­zei­len. Die gan­ze Schul­auf­ga­be hät­te bei mir leicht auf EINE DIN A4 Sei­te gepasst. Das kann man natür­lich noch stei­gern, indem man am PC aus­schließ­lich Schreib­zei­len pro­du­ziert (natür­lich mit gaa­anz vie­len Unter­stri­chen), die­ses Blatt dann sech­zig Mal kopiert und den Schü­lern als Schreib­pa­pier gibt.

Wel­che Vor­tei­le hat es die Schü­ler direkt in Schreib­zei­len auf der Anga­be schrei­ben zu las­se? Ers­tens … äh … hmm … da war doch was … ach ja – alle Ant­wor­ten ste­hen immer an der sel­ben Stel­le und man muss nicht lan­ge suchen.

Der wich­tigs­te Nach­teil die­ser Anga­ben-Schreib­zei­len ist m.E. die enor­me Ver­schwen­dung von Kopi­en. Nach eini­gen Jah­ren, in denen wir unge­hemmt kopie­ren konn­ten, droht an mei­ner Schu­le wie­der ein Kopi­en-Kon­tin­gent. Durch Schreib­zei­len bläht sich der Umfang einer Anga­be oft um das Drei- bis Vier­fa­che auf. Beson­ders betrof­fen von einer Kon­ti­gen­tie­rung sind vor allem Kol­le­gen, die kein (ver­nünf­ti­ges) Buch haben und auf Kopi­en ange­wie­sen sind. Wenn vor allem die Spra­chen­leh­rer auf die­sen Schreib­zei­len-Blöd­sinn ver­zich­ten wür­den, müss­ten z.B. Ethik­leh­rer nicht irgend­wann Kopi­en aus eige­ner Tasche bezah­len bzw. die Schü­ler zur Kas­se bit­ten. Na ja, ver­mut­lich zu altru­is­tisch gedacht …

Ein wei­te­rer gra­vie­ren­der Nach­teil ist der zusätz­li­che Arbeits­auf­wand. Bei jeder Auf­ga­be muss ich mir vor­her über­le­gen und anti­zi­pie­ren, wie­viel Zei­len wohl der Maxl mit sei­ner Rie­sen­schrift für sei­ne 150 Wör­ter braucht. Ganz schlecht wird es näm­lich immer dann, wenn die vor­ge­ge­be­nen Zei­len nicht rei­chen. Ent­we­der schreibt Maxl immer klei­ner und pfrie­melt sei­ne Sät­ze unten auf die Sei­te oder irgend­wo an den Rand oder er schreibt gleich irgend­wo auf der Rück­sei­te wei­ter. Dann ver­kehrt sich o.a. Vor­teil schnell in einen Nach­teil, weil man erst mal suchen muss. Wenn Maxl hin­ge­gen auf nor­ma­les Schreib­pa­pier schreibt, hat er soviel Platz wie er braucht.

Auch bei der Kor­rek­tur berei­ten mehr­sei­ti­ge Anga­ben zusätz­li­che Arbeit. Ent­we­der ich kopie­re bzw. schnei­de auf DIN A4, dann habe ich drei (oder vier) flie­gen­de Blät­ter, die ich in der rich­ti­gen Rei­hen­fol­ge sor­tie­ren und ggf. klam­mern muss. Oder ich kopie­re auf DIN A3, dann habe ich ent­we­der das unhand­li­che For­mat auf dem Schreib­tisch oder ich fal­te extra, dann muss ich genau­so blät­tern, wie wenn ich den Schü­lern gleich DIN A4 Bögen gege­ben hät­te.

Aus der Sicht der Eltern haben Schreib­zei­len auf Anga­ben den Nach­teil, dass die Anga­ben (bzw. Tei­le davon) ein­ge­sam­melt wer­den und ich zuhau­se nicht sehen kann, was Soh­ne­mann denn nun eigent­lich machen muss­te.

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Bad Day

  1. Tobi

    geni­al.

    ham­maim­ma­schog­macht.…

    es gibt nichts schö­ne­res als zu lachen, Freun­de 🙂

  2. Ganz sel­ten, dass ich mal mehr als eine A4 Sei­te brau­che, und das nur wegen Mul­ti­ple­Choice und Bil­der im neu­en Auf­ga­ben­typ der Kern­cur­ri­cu­la.
    Oft nur 1/2 Sei­te (wenn ohne Text). Trotz­dem sind die Schü­ler auch dann bei mir 45–95′ beschäf­tigt. Neu­lich grins­te ich einen Ober­stu­fen­schü­ler an, der mein­te er wär dann in 20′ fer­tig, dass das bei mir kaum vor­kä­me. Als er abgab seufz­te er „jetzt ver­ste­he ich…“.
    Aber wenn ich eine unre­du­zier­ba­re 3/4 Sei­te Auf­ga­ben hab, fül­le ich *dar­un­ter* mit Leer­zei­len auf.

  3. > Ins­be­son­de­re wenn noch eine Nach­hol­schul­auf­ga­be fäl­lig ist, fin­de ich es sogar einen gro­ßen Vor­teil, wenn die Anga­be nicht im Umlauf ist.

    Stimmt, aus die­sem Grund sam­me­le ich die Anga­be ggf. mit ein, wenn ich noch Nach­schrei­ber habe und gebe sie mit der kor­ri­gier­ten Schul­auf­ga­be zurück.

    > Ich habe außer­dem auch schon erlebt, dass Schü­ler bei der Rück­ga­be nur die Hälf­te der Arbeit dabei hat­ten und in einem Extrem­fall die feh­len­de Hälf­te sogar ver­schol­len blieb.

    Das ist aber kein Argu­ment für Schreib­zei­len. Bei mir steht alles auf EINEM DIN A4 Bogen (2 Sei­ten). Ver­ges­sen bzw. ver­lie­ren kön­nen sie den genau­so wie alles ande­re auch 😉

  4. Philipp

    > und ich zuhau­se nicht sehen kann, was Soh­ne­mann denn nun eigent­lich machen muss­te.

    Das hal­te ich nicht für zwin­gend erfor­der­lich. Die Eltern kön­nen sehen, was gemacht wur­de, wenn ich die Arbeit her­aus­ge­ge­ben habe. Dann kann man auch blau auf weiß sehen, was Soh­ne­mann tat­säch­lich fabri­ziert hat, und muss als Eltern nicht über irgend­wel­che vagen Wenns und Abers dis­ku­tie­ren.
    Ins­be­son­de­re wenn noch eine Nach­hol­schul­auf­ga­be fäl­lig ist, fin­de ich es sogar einen gro­ßen Vor­teil, wenn die Anga­be nicht im Umlauf ist. So muss ich die Nach­hol­schul­auf­ga­be wesent­lich weni­ger im Ver­gleich zur eigent­li­chen Arbeit abwan­deln, was 1. weni­ger Arbeit für mich ist und 2. auch leich­ter eine ver­gleich­ba­re Schwie­rig­keit erzeu­gen lässt. Ich stre­be immer an, Nach­hol­schul­auf­ga­ben zu hal­ten, bevor die eigent­li­che Arbeit zurück­ge­ge­ben ist.

    Was dei­ne Argu­men­ta­ti­on mit der Kopi­en­ver­schwen­dung betrifft, gebe ich dir recht. Meist las­se ich die Schü­ler genau aus die­sem Grund auch zumin­des­tens Tei­le mei­ner Arbei­ten auf nor­ma­les Schreib­pa­pier schrei­ben. Ich per­sön­lich fin­de es aber trotz­dem ange­nehm wenn ich beim Kor­ri­gie­ren nur mit einem ein­zel­nen Blatt han­tie­ren muss, das ich, wenn ich es denn mache, immer so auf A3 kopie­re, dass man es wie ein Buch lesen kann. Ich habe außer­dem auch schon erlebt, dass Schü­ler bei der Rück­ga­be nur die Hälf­te der Arbeit dabei hat­ten und in einem Extrem­fall die feh­len­de Hälf­te sogar ver­schol­len blieb.
    Kurz­um: Wenn die Schü­ler sowie­so nichts auf die Anga­be schrei­ben müs­sen, neh­me ich natür­lich immer Schreib­pa­pier. Andern­falls wäge ich ab, ob die Kopi­en­ver­schwen­dung zu groß wäre. Bei­spiel: Die Anga­be passt nicht auf zwei A4 Sei­ten, was bei mir in Unter- und Mit­tel­stu­fe gar nicht so sel­ten ist. Dann kann ich dop­pel­sei­tig auf A3 kopie­ren und alle 4 Sei­ten nüt­zen, ggf. auch mit Leer­zei­len. Wenn dann der Platz reicht, ohne dass ich Schreib­pa­pier ver­wen­den muss, bin ich nicht unzu­frie­den.

  5. Nicht nur bei Schul­auf­ga­ben kann man das bei uns beob­ach­ten. Immer wie­der fin­de ich Kopier­vor­la­gen im Ori­gi­nal-Ein­zug, die zu einem Vier­tel aus Text und vier Zei­len Fra­gen dazu bestehen. Der Rest wird mit Leer-Zei­len wie oben beschrie­ben gefüllt, zwi­schen denen ab und zu noch eine Auf­ga­ben­num­mer auf­taucht. Wohl­ge­merkt bestrei­ten eini­ge Kol­le­gen ihren täg­li­chen Unter­richt damit und nicht etwa nur Leis­tungs­er­he­bun­gen o.ä.
    Ach­ja: noch (!!) haben wir kein Kopi­en­kon­tin­gent.

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