Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

Thou Shalt Not Repeat Mistakes

… ist lei­der bei vie­len Kol­le­gen zum elf­ten Gebot des Eng­lisch­un­ter­richts gewor­den. Eine ver­nünf­ti­ge Feh­ler­kor­rek­tur wird damit häu­fig unmög­lich oder zumin­dest sehr umständ­lich.

Neh­men wir ein kon­kre­tes Bei­spiel: Ein Schü­ler erzählt von sei­nem USA Auf­ent­halt, ver­gleicht sei­ne Erfah­run­gen und sagt: „Stan­dards in Ger­ma­ny are more hig­her than in the US.“

Ich kor­ri­gie­re so einen Feh­ler ganz ein­fach: Ich wie­der­ho­le (natür­lich im Nor­mal­fall erst, wenn der Schü­ler aus­ge­re­det hat) den Feh­ler mit einem fra­gen­den Ton und ggf. beglei­ten­dem Stirn­run­zeln. Mei­ne Schü­ler wis­sen, dass es sich jetzt um einen sprach­li­chen Feh­ler han­delt und nicht z.B. um einen inhalt­li­chen Aspekt. Im Ide­al­fall erkennt der Schü­ler sei­nen Feh­ler sel­ber, kann ihn beschrei­ben / ana­ly­sie­ren („I’ve used the com­pa­ra­ti­ve twice“) und kor­ri­gie­ren (indem er den gan­zen Satz noch­mal rich­tig sagt). Even­tu­ell hän­gen wir noch eine kur­ze Wie­der­ho­lung der Regeln für die Stei­ge­rung von Adjek­ti­ven dran und üben noch anhand von ein paar Bei­spie­len. So weit – so ein­fach.

Falls man nun aber als Trend-gläu­bi­ger Leh­rer o.a. Gebot befol­gen will, wird es kom­pli­ziert. Am ein­fachs­ten ist noch die posi­ti­ve Kor­rek­tur: „Stan­dards are HIGHER …“. Schwie­rig kann es aber bereits wer­den, wenn der Schü­ler empört erwi­dert: „That’s what I said!“. – „No, you said … [und muss man rum­druck­sen, weil man den Feh­ler ja nicht wie­der­ho­len darf].

Im Hin­ter­kopf hat man nun aber nor­ma­ler­wei­se, dass es päd­ago­gisch wert­voll sei, wenn der Schü­ler den Feh­ler sel­ber erkennt und kor­ri­giert und nicht ein­fach die rich­ti­ge Lösung vom Leh­rer ser­viert bekommt. Man kann es also mit einem all­ge­mei­nen „You’­ve made a mista­ke“ ver­su­chen. Der Erfolg wird meis­tens beschei­den sein, denn der Schü­ler war bei sei­ner Äuße­rung auf den INHALT und nicht auf die (gram­ma­ti­ka­li­sche) Form fokus­siert. Auch das kon­kre­te­re „You’­ve used a wrong com­pa­ra­ti­ve“ wird des­halb wenig nut­zen. Die Fol­ge wird ein umständ­li­cher Eier­tanz sein, bei dem sich der Schü­ler zu Recht fragt, war­um ihm der Leh­rer nicht ein­fach sagt, was er falsch gemacht hat.

Ich ken­ne zwei Begrün­dun­gen für die­sen Quatsch. Die ers­te besagt, dass Leh­rer grund­sätz­lich nur Rich­ti­ges von sich geben soll­ten. Das ist prin­zi­pi­ell natür­lich in Ord­nung, nur ler­ne ich im Ein­zel­fall das Rich­ti­ge eben erst durch den Kon­trast mit dem Fal­schen. Im Sport mache ich eine Bewe­gun­gen ja auch manch­mal absicht­lich falsch vor, um die Unter­schie­de zur rich­ti­gen Bewe­gung deut­lich zu machen [Jaja, ich weiß, in eini­gen Bun­des­län­dern darf der Leh­rer gar nichts mehr vor­ma­chen, weil die Schü­ler alles sel­ber her­aus­fin­den sol­len.]

Die zwei­te Begrün­dung fin­de ich noch abstru­ser. Sie geht davon aus, dass der Schü­ler die gan­ze Zeit geis­tig abwe­send ist, just in dem Moment auf­passt, in dem der Leh­rer einen Feh­ler wie­der­holt und sich die­sen Feh­ler (weil er ja vom Leh­rer kommt) merkt. Wenn unser hypo­the­ti­scher Schü­ler den fra­gen­den Ton in mei­ner Stim­me, die beglei­ten­de Mimik, die anschlie­ßen­de Kor­rek­tur und rich­ti­ge Wie­der­ho­lung nicht mit­kriegt, dann hat er halt ein­fach Pech gehabt. Sich bei der Feh­ler­kor­rek­tur des­halb sel­ber ins Knie zu schie­ßen, ist ein­fach unsin­nig.

Auch die Fach­di­dak­tik gibt kei­ner­lei Begrün­dung für die­sen Blöd­sinn. So lis­tet Tha­ler in Eng­lisch Unter­rich­ten (Ama­zon) auf S. 318 sechs „münd­li­che Feed­back-Typen“ auf, von denen bei drei der Feh­ler expli­zit wie­der­holt wird:

  • expli­zi­te Kor­rek­tur (explict cor­rec­tion): aus­drück­li­cher Hin­weis auf den Feh­ler, z.B. „Don’t say goed, but went.“
  • Feh­ler­wie­der­ho­lung (repe­ti­ti­on) mit auf­fäl­li­ger Beto­nung: „He goed home?“
  • meta­lin­gu­is­ti­sches Feed­back (meta­lin­gu­is­tic feed­back): „The simp­le past of go is not goed.“

Ori­gi­nell ist dar­über­hin­aus ja auch, dass das münd­li­che Wie­der­ho­len von Schü­ler­feh­lern inzwi­schen ganz bäh ist, wäh­rend die bewähr­ten „Spot the error“ Übun­gen sich auch in den neu­es­ten Lehr­wer­ken fin­den. In Con­text 21 fin­det man z.B. auf S. 250 (LP 8 Com­mon errors) eine klas­si­sche „Find the mista­kes“ Übung und das CEG Prac­tice Book 2 hat bei vie­len Tests „Spot the Mista­kes“ Übun­gen dabei.

Es ist ein­leuch­tend, dass nicht der Schü­ler den Feh­ler wie­der­ho­len soll­te (also nicht: „Plea­se say again this last sen­tence about stan­dards in Ger­ma­ny“), damit sich durch die Wie­der­ho­lung der Feh­ler nicht ver­fes­tigt. Aber es spricht nichts dage­gen, dass der Leh­rer den Feh­ler (mit Into­na­ti­on und Mimik ent­spre­chend „ein­ge­bet­tet“) wie­der­holt: Thou shalt help thy stu­dents impro­ve their Eng­lish by repea­ting their mista­kes.

Anspie­lung in der Über­schrift …

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  1. Was spricht denn dage­gen, den/die Feh­ler geson­dert am Ende des inhalt­li­chen Blo­ckes zu the­ma­ti­sie­ren? Wenn wir von Unter­richt ohne abge­ho­be­nen Fach­se­mi­nar­lei­ter spre­chen, sehe ich dann auch kein Pro­blem dar­in, den Feh­ler an der Tafel zu notie­ren und gemein­sam zu kor­ri­gie­ren.
    In einer Spa­nisch-Didak­tik habe ich mal gele­sen, dass Leh­rer bestimm­te Fin­ger­be­we­gun­gen machen, wenn sprach­li­che Feh­ler gemacht wer­den. Das fin­de ich als Zei­chen, dass wir mal kurz auf die Form schau­en, ein­deu­ti­ger. Aber viel­leicht ist dein Stirn­run­zeln noch ein­deu­ti­ger 🙂

  2. Wie Bäh sind denn schrift­li­che „Spot the mistakes“-Übungen auf einer Ska­la von 1 bis 10? Ich mache sowas in der Ober­stu­fe immer bei der Her­aus­ga­be einer Schul­auf­ga­be, weil ich auf die­se Wei­se nicht nur den Inhalt des Tests, son­dern auch die sprach­li­chen Pro­ble­me zusam­men­fas­sen und gege­ben­falls wie­der­ho­len kann. Neben der Übung las­se ich immer einen Kor­rek­tur­strei­fen frei, wo die Schü­ler längst ver­ges­se­ne Regeln ein­tra­gen kön­nen, nebst der ver­bes­ser­ten Ver­si­on des Sat­zes.

    • Philipp

      Ich per­sön­lich fin­de sie zu dem geschil­der­ten Zweck über­haupt nicht bäh. Ich hal­te sie nur als Auf­ga­ben­typ in schrift­li­chen Leis­tungs­er­he­bun­gen für pro­ble­ma­tisch, weil dort nach mei­ner Ansicht die Anwen­dung von Regeln im Kon­text und nicht die­se Form von Abs­tra­hie­rung abge­prüft wer­den soll­te. Dass man wie geschil­dert bei einer Kor­rek­tur da was draus ler­nen kann, steht aber auf einem ganz ande­ren Blatt.

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