Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

Wozu lernen?

Vor kur­zem bat mich ein Deutsch-Kol­le­ge um Hil­fe. Sei­ne Toch­ter (11. Klas­se) war in full panic mode, weil eine Eng­lisch-Schul­auf­ga­be zu immi­gra­ti­on vor der Tür stand und sie noch über­haupt nichts gemacht hat­te. Ich gab ihm das Abitur­wis­sen Eng­lisch Lan­des­kun­de, das für sol­che Fäl­le eine kom­pak­te Zusam­men­fas­sung bie­tet und ver­wies auf mein Vocab-Sheet Immi­gra­ti­on (pdf).

Ein paar Tage spä­ter zeig­te mir mein Kol­le­ge die Schul­auf­ga­be. Sie bestand aus zwei Tei­len, einer sehr schwe­ren eng­lisch-deut­schen Trans­la­ti­on mit 30 BE (= Punk­ten) und einer text pro­duc­tion (20 BE) mit dem The­ma: „If you could emi­gra­te, which coun­try would you take into con­si­de­ra­ti­on? What rea­sons might influ­ence your decisi­on?“ Mein Kol­le­ge erzähl­te mir, dass sei­ne Toch­ter stink­sauer sei, weil die gan­ze Ler­ne­rei umsonst gewe­sen sei und sie sich fra­ge wozu sie über­haupt gelernt habe, wenn dann in der Schul­auf­ga­be doch irgend­ein Mist dran­kommt, auf den man sich eh nicht vor­be­rei­ten kann. Dar­über­hin­aus woll­te er wis­sen, ob die­se Art von Eng­lisch-Schul­auf­ga­ben in der Ober­stu­fe üblich sei­en. Ich bejah­te dies, hat­te aber lei­der nicht die Zeit um ihn in die Fein­hei­ten der belieb­ten ALP (Advan­ced Lear­ning Pre­ven­ti­on) Metho­de ein­zu­füh­ren.

Das Grund­prin­zip von ALP besteht dar­in, Schul­auf­ga­ben zu schrei­ben, auf die sich der Schü­ler kaum bzw. über­haupt nicht vor­be­rei­ten kann. Schließ­lich soll er ja „selb­stän­dig“ und „selbst­or­ga­ni­siert“ sein Eng­lisch ver­bes­sern und nicht ledig­lich „extri­nisch moti­viert“ nur auf die nächs­te Schul­auf­ga­be ler­nen. Wenn der Schü­ler fragt, wie er sich auf die nächs­te Schul­auf­ga­be vor­be­rei­ten soll, emp­fiehlt man: „Eng­lisch lesen.“ Wenn er dar­auf­hin ein­wen­det, dass ihm sei­ne eng­li­schen Kennt­nis­se z.B. bei einer Trans­la­ti­on nichts und bei einer Media­ti­on nur wenig nüt­zen, ergänzt man ent­spre­chend: „Deutsch lesen.“ Kon­kre­te­re Hin­wei­se soll­te man nicht geben, schließ­lich möch­te man den Schü­ler in sei­ner „auto­no­men“ Ent­schei­dungs­frei­heit nicht ein­schrän­ken.

Wich­tig ist bereits die Ankün­di­gung der Schul­auf­ga­be. Ent­we­der man bleibt sehr vage („irgend­was mit Immi­gra­ti­on“) oder – noch wesent­lich effek­ti­ver – man sagt den Schü­lern ganz genau was sie machen und ler­nen sol­len, bringt in der Schul­auf­ga­be dann aber etwas völ­lig ande­res. Das ers­te Ver­fah­ren ist „schü­ler­ak­ti­vie­rend“, denn der Schü­ler muss sich nun über­le­gen, was denn wohl dran­kom­men könn­te. Dabei übt er wert­vol­le skills wie intel­li­gent gues­sing, spe­cu­la­ting und pre­dic­ting. Das zwei­te Ver­fah­ren berei­tet den Schü­ler auf die Unwäg­bar­kei­ten des Lebens vor, erhöht sei­ne Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz und trai­niert sei­ne Fle­xi­bi­li­tät in Prü­fungs­si­tua­tio­nen.

Die mit Abstand bes­te ALP-Prü­fungs­form ist die eng­lisch-deut­sche Über­set­zung. Die Trans­la­ti­on über­prüft in ers­ter Linie das DEUTSCHE Aus­drucks­ver­mö­gen und für das ist man als Eng­lisch­leh­rer, der die meis­te Zeit Eng­lisch spricht, nun mal nicht zustän­dig. Natür­lich gilt es zu strikt zu ver­mei­den, dass man vor der Schul­auf­ga­be im Unter­richt bestimm­te Über­set­zungs­pro­ble­me (z.B. Par­ti­zi­pi­en) bespricht und übt und die­se dann in der Schul­auf­ga­be z.B. in Ein­zel­sät­zen abprüft.

Schü­ler stel­len aller­dings im Zusam­men­hang mit der Trans­la­ti­on manch­mal imper­ti­nen­te Fra­gen. Hier ein paar Bei­spie­le, gefolgt von einer Mus­ter­ant­wort:

  • War­um haben wir jetzt schon in der 11ten in Schul­auf­ga­ben stän­dig eine Trans­la­ti­on?“ – „Weil ich euch opti­mal aufs Abitur vor­be­rei­ten möch­te.“
  • Aber die Trans­la­ti­on über­prüft doch mein DEUTSCHES Aus­drucks­ver­mö­gen, und nicht mein eng­li­sches. In der Schul­auf­ga­be war z.B. der Satz ‚Yet the­re are pockets of con­cern.‘ Ich VERSTEHE sofort, dass das soviel bedeu­tet, wie ‚Some peop­le are still con­cer­ned‘, aber ich kann es halt nicht über­set­zen, weil es ‚Taschen der Sor­ge‘ im Deut­schen nicht gibt.“ – „Tja, aber im Abitur kann dir das auch pas­sie­ren.“
  • Im Abitur hat die Trans­la­ti­on aber nur einen Stel­len­wert von 25%, in unse­rer Schul­auf­ga­be jedoch gleich 60%. War­um?“ – „Wie schon gesagt, auf die­se Art möch­te ich euch opti­mal aufs Abitur vor­be­rei­ten.“
  • Könn­ten wir nicht wenigs­tens vor­her mal was üben? Zum Bei­spiel, dass eng­li­sche Ver­bal­kon­struk­tio­nen im Deut­schen oft mit einem Adverb über­setzt wer­den müs­sen, wie ‚He’s likely to come.‘ mit ‚Er wird wahr­schein­lich kom­men.‘ Die­se Sachen könn­ten wir wenigs­tens ler­nen.“ – „Das ist zu pri­mi­tiv und nicht ober­stu­fen­ge­recht. Außer­dem bekommst du im Abitur auch kei­ne Ein­zel­sät­ze vor­ge­legt.“
  • War­um legen Sie eigent­lich so gro­ßen Wert aufs Über­set­zen und so wenig Wert auf das doch eigent­lich viel wich­ti­ge­re Spre­chen?“ – An die­ser Stel­le soll­test du unter Hin­weis auf einen drin­gen­den Ter­min das Gespräch abbre­chen.

Auch die Media­ti­on eig­net sich her­vor­ra­gend für Klau­su­ren. Kon­kret vor­be­rei­ten kann man sich nicht, wis­sen muss man auch nichts. Selbst Wör­ter zu ler­nen macht nor­ma­ler­wei­se wenig Sinn, denn es soll ja immer nur „sinn­ge­mäß“ über­setzt sprach­ge­mit­telt wer­den.

Text­auf­ga­ben sind natür­lich fast immer ALP geeig­net. Man muss ledig­lich dar­auf ach­ten, dass wirk­lich kei­ner­lei back­ground know­ledge gefor­dert wird, denn das hät­te der Schü­ler sich ja u.U. vor­her aneig­nen kön­nen. Das bedeu­tet natür­lich auch, dass kei­ner­lei Fra­gen zu bereits behan­del­ten Tex­ten gestellt wer­den.

Gut geeig­net sind auch mög­lichst all­ge­mein gehal­te­ne com­po­si­ti­on The­men. Das The­ma soll­te so gewählt sein, dass der Schü­ler mög­lichst kein Hin­ter­grund­wis­sen ein­brin­gen, son­dern nur schwa­feln kann. Bewährt hat es sich dar­über­hin­aus, kei­ner­lei Anga­ben über die gefor­der­te Wort­zahl anzu­ge­ben. Dann kann man im Zwei­fels­fall immer argu­men­tie­ren, dass die vom Schü­ler gewähl­te Wort­län­ge eben zuviel bzw. zu wenig war. Alter­na­tiv kann man auch eine ganz exak­te Wort­zahl ange­ben („Count your words exac­t­ly“) und alles was dar­über bzw. dar­un­ter liegt rigo­ros durch Punkt­ab­zug zu bestra­fen. Der Schü­ler will ja viel­leicht spä­ter mal Jour­na­list wer­den, und da muss er auch eine bestimm­te Wort- bzw. Zei­len­zahl ein­hal­ten.

Völ­lig unge­eig­net für ALP Schul­auf­ga­ben sind Wort­schatz und Gram­ma­tik Auf­ga­ben. Hier besteht die gro­ße Gefahr, dass Schü­ler einen Zusam­men­hang zwi­schen Ler­nen und der resul­tie­ren­den Note erken­nen.

Rou­ti­nier­te ALP-Leh­rer über­tra­gen das Grund­prin­zip mühe­los auch auf ihren all­ge­mei­nen Unter­richt. Hier sol­len ein paar Stich­wor­te genü­gen:

  • Münd­li­che Prü­fun­gen („Aus­fra­gen“, „Rechen­schafts­ab­la­gen“) sind unbe­dingt zu ver­mei­den. Der Schü­ler könn­te sich ja dar­auf vor­be­rei­ten und even­tu­ell eine ver­haue­ne Schul­auf­ga­be aus­glei­chen. Schließ­lich will man in der Ober­stu­fe „wis­sen­schafts­pro­pä­deu­tisch“ arbei­ten und an der Uni gibt es wäh­rend des Semes­ters schließ­lich auch kei­ne münd­li­chen Prü­fun­gen.
  • Münd­li­che Noten für Unter­richts­bei­trä­ge darf man dem Schü­ler auf kei­nen Fall zeit­nah mit­tei­len und begrün­den, er könn­te auf die Idee kom­men durch geziel­tes Ler­nen sei­ne Note ver­bes­sern zu wol­len. Ein erfah­re­ner ALP-Leh­rer ver­kün­det münd­li­che Noten (falls über­haupt) kurz vor Semes­ter­en­de und bedau­ert, dass er sich beim bes­ten Wil­len nicht mehr dar­an erin­nern kann, war­um er vor ein paar Mona­ten so eine schlech­te Note bzw. nur so weni­ge Punk­te ver­ge­ben hat.
  • Steg­reif­auf­ga­ben (Extem­po­ra­li­en) wider­spre­chen völ­lig dem ALP Gedan­ken. Sie sind bekannt­lich „über­wie­gend repro­duk­tiv“ und des­halb „nicht  ober­stu­fen­ge­recht“.
  • Vor­sicht ist bei der Wort­schatz­ar­beit gebo­ten. Hier darf man zwar unbe­denk­lich die gan­ze Tafel voll­schrei­ben, aller­dings soll­te man sich die Wör­ter auf kei­nen Fall sel­ber notie­ren, geschwei­ge denn in der nächs­ten Stun­de prü­fen. Sol­che pri­mi­ti­ven Zwangs­maß­nah­men sind abzu­leh­nen, in der Ober­stu­fe hat man es schließ­lich mit jun­gen Erwach­se­nen zu tun, die „auto­nom“ ent­schei­den sol­len, wel­che Wör­ter sie ler­nen wol­len.

Durch kon­se­quen­te Anwen­dung der ALP-Metho­de bringt man den Schü­ler zu der Ein­sicht, dass man Spra­chen halt „ein­fach kann“ bzw. „nicht kann“ und dass man dar­an auch wenig ändern kann. Für den Leh­rer hat das Ver­fah­ren den Vor­teil, dass er immer wie­der aus vol­lem Her­zen kla­gen kann, dass die Schü­ler trotz sei­nes her­vor­ra­gen­den Unter­richts ein­fach nicht bes­ser wer­den und offen­sicht­lich nichts ler­nen wol­len.

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  1. uta rossberger

    hal­lo kol­le­ge spörl,
    ich wuss­te gar nicht, dass du dich auch auf jochens sei­te rum­treibst. wun­der­bar! vie­len dank für die blu­men; ich bin mir aller­dings nicht sicher, ob ich nicht auch schon mal ALP pro­du­ziert habe. der bei­trag dar­über hat mir aller­dings zu den­ken gege­ben, v.a. hin­sich­lich der in kür­ze zu pla­nen­den q11 klau­sur. aus irgend­ei­nem grund den­ken wir doch alle, dass so bana­le(?) din­ge wie wort­schatz­über­prü­fung in klau­su­ren der ober­stu­fe nicht mehr erlaubt sind. ange­sichts der ergeb­nis­se mei­ner wort­schatz-exen beschleicht mich aller­dings ganz eine ande­rer ver­dacht. die nächs­te klau­sur aller­dings wer­de ich hin­sicht­lich ALP prü­fen, bevor ich sie stel­le. vie­len dank, jochen – übri­gens auch für dei­ne anre­gun­gen zum the­ma kor­rek­tur. mfg uta ross­ber­ger

    • Friedrich Spörl

      Uta dar­ling

      manch­mal treibts mich halt bei sowas immer noch um; die Adres­se hab ich, glaub ich, von unse­rem Inva­li­den R.K. bekom­men.

      LG F. Sp.

  2. Friedrich Spörl

    Lie­ber Jochen,
    ich bin seit fast 40 Jah­ren Leh­rer und gehe am Schul­jah­res­en­de in Pen­si­on. Ich bin auch seit Jah­ren Eng­lisch-Fach­be­treu­er und weiß, was mei­ne Kol­le­gIn­nen für Exen und Schul­auf­ga­ben stel­len. Mei­ner rei­chen Efah­rung nach ist mir sowas wie Dein ALP noch nie unter­ge­ko­men, auch bei unsern eige­nen vier Kin­dern (alle Abitur an mei­nen eige­nen Schu­len) nicht. Dass die Schü­le­rIn­nen im bay­ri­schen G 8 mit Stun­den und Stoff zuge­k­ü­belt wer­den, das ist ein ande­res The­ma.

    MfG Fried­rich Spörl

  3. > Und was hat man davon, wenn die Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz erhöht wird? Man hat unnö­tig Zeit ver­schwen­det, in der man viel­leicht für ein ande­res Fach hät­te ler­nen kön­nen.

    Kann es sein, dass du den SATIRISCHEN Cha­rak­ter mei­nes Tex­tes nicht so ganz erkannt hast? Nur um das viel­leicht noch­mal klar­zu­stel­len: Ich KRITISIERE Kollegen/innen, die ihren Schülern/innen nicht genau sagen, was dran­kommt bzw. nur Auf­ga­ben­for­men wäh­len, auf die man nicht ler­nen kann.

  4. Vanessa

    Sehr vie­le Leh­rer ver­fah­ren danach, kei­ne Anga­ben für Arbei­ten mehr zu geben. Immer öfter heißt es: „Ihr müsst alles könnnen./Es kommt alles dran.“. Den­ken denn die Leh­rer wir haben nichts ande­res zu tun, als für ihr über­aus tol­les Fach zu ler­nen?! Und ist es etwa effi­zi­ent alles zu ler­nen, wenn im End­ef­fekt doch was dran kommt, was vor­her nicht behan­delt wur­de?
    Klar brau­che ich mei­nen Grund­wort­schatz und mei­ne Gram­ma­tik für eine Eng­lisch­ar­beit, aber wer das bis jetzt (ich bin in der 11. Klas­se) nicht drauf hat, der wird des auch nicht mehr auf­ho­len. Dazu ist es in der Regel zu spät. Auf Eng­lisch­ar­bei­ten berei­te ich mich schon seit lan­gem nicht mehr vor. Es ist unnö­tig gewor­den. Noch nicht mal Voka­beln, die vor­her im Unter­richt benutzt wur­den, sind nötig. Die Tex­te schreibt ja doch jeder selbst und in sei­nen eige­nen Wor­ten.

    man sagt den Schü­lern ganz genau was sie machen und ler­nen sol­len, bringt in der Schul­auf­ga­be dann aber etwas völ­lig anderes.(…)das erhöht sei­ne Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz“
    Und was hat man davon, wenn die Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz erhöht wird? Man hat unnö­tig Zeit ver­schwen­det, in der man viel­leicht für ein ande­res Fach hät­te ler­nen kön­nen.

    Vie­le brau­chen ein­fach den „Arsch­tritt“, dass sie etwas tun müs­sen. Wenn ein Leh­rer dann kei­ne genau­en Anga­ben gibt, wird ein­fach nicht gelernt. Es wird so sehr viel Eigen­stän­dig­keit ver­langt. Und wie vie­le Erwach­se­nen machen etwas eigens­än­dig, ohne ein rich­ti­ges Müs­sen?! Und von uns Schü­lern wird es ver­langt.
    Natür­lich müs­sen wir uns eine gewis­se Selbst­stän­dig­keit erar­bei­ten, spä­ter hat man kei­nen Leh­rer mehr, der dann dane­ben steht und sagt: „Vanes­sa, auf, lern“

    Über das The­ma Wort­an­zahl will ich gar nicht viel sagen. Ant­schei­nend wol­len gar kei­ne guten Noten ver­ge­ben wer­den.

    Grü­ße,
    Vanes­sa

  5. > aber ich schei­te­re immer an der ers­ten Sei­te

    Dann sind dei­ne Bücher ein­fach zu schwer. Geh in die Büche­rei und suche nach „Easy“ bzw. „Sim­pli­fied Readers“. Wei­te­re Tipps zum The­ma Lesen gibt es auf http://www.jochenenglish.de/?page_id=461

  6. Ich bin Schü­ler einer Real­schu­le in Bay­ern, gehe in die 8. Klas­se und stim­me dem nur zu, das bes­te was ich je in einer Schul­auf­ga­be hat­te war ein 2er (Gut), aber eigent­lich macht es schon Sinn für Schul­auf­ga­ben zu ler­nen, da man sich so mei­ner Mei­nung ein Grund­wis­sen aneig­net.

    Die bes­te Metho­de für Eng­lisch Schul­auf­ga­ben zu ler­nen ist mei­ner Mei­nung nach ein Eng­li­sches Buch lesen, aber ich schei­te­re immer an der ers­ten Sei­te 😀

  7. Das schlim­me ist je, dass die­se Leer­me­tho­de(!) in fast allen Unter­richts­ar­ten ange­wen­det wird. Die Schü­ler wer­den im Unkla­ren gelas­sen wor­um es geht, anstatt Grund­la­gen zu Wie­der­ho­len wer­den sie ein­fach vor­aus­ge­setzt, die Schü­ler wis­sen zwar das gene­rel­le The­ma, aber was wirk­lich dran kommt ist schlei­er­haft. Mir erging es in Deutsch immer so, dass wir ein Buch lasen und in den Prü­fun­gen dann nach irgend­wel­chen Zusam­men­hän­gen gefragt wur­de, die mir natür­lich nicht auf­ge­fal­len waren. Ich saug­te mir schließ­lich irgend­was aus den Fin­gern. Spä­ter laß ich die Bücher erst gar nicht mehr, zog mir Zusam­men­fas­sun­gen aus dem Netz, die oft schon die Ant­wor­ten auf die Fra­gen ent­hiel­ten, die die Leh­rer Wis­sen woll­ten und war dann bes­ser auf die Arbei­ten vor­be­rei­tet als vor­her. Den Sinn dahin­ter habe ich nie wirk­lich ver­stan­den, ich hat­te immer den Ver­dacht, dass es Schi­ka­ne war. Heu­te weiß ich: Es war Schi­ka­ne.

  8. anna

    In den Genuss die­ser „tol­len“ Lern­me­tho­de kom­men auch mei­ne Kin­der immer wieder.Da kann man nur den Kopf schüt­teln und sich nur wun­dern ande­re Mög­lich­kei­ten ste­hen einem ja lei­der nicht offen!

  9. Bernd

    Lie­ber Jochen,

    inhalt­lich zutref­fend und lite­ra­risch ein Genuss. Der ulti­ma­ti­ve (Selbst-/Fremd-) Eva­lua­ti­ons­maß­stab „Was haben die Schü­ler eigent­lich -kon­kret, unmit­tel­bar, z.B. auch in der nächs­ten Klas­sen­ar­beit- von mei­nem Unter­richt?“ kann nur segens­reich wir­ken.

    Auch im Hin­blick auf die jüngs­te Prä­senz- bzw. eher Absen­zen­dis­kus­si­on auf enpa­ed möch­te ich auf den eben­falls iro­ni­schen (???) Vor­schlag der Abschaf­fung der Schul­pflicht für kom­mu­nal­wahl­be­rech­tig­te 16-jäh­ri­ge durch Fried­lich Mahl­mann (Pes­ta­loz­zis Erben) in der Zeit (21.3.1997, ja, ich habe den Aus­riss gefun­den) hin­wei­sen:

    Die Dres­sur stol­zer Hor­den. Lasst doch den Fle­geln ihren Lauf! Zwi­schen­ruf eines generv­ten Schul­lei­ters.
    … Wenn mei­ne Schü­ler trotz Blau­ma­chens die nächs­te Klau­sur schaf­fen, beglück­wün­sche ich sie. Fal­len sie wegen zu häu­fi­gen Feh­lens durch, so wider­fährt ihnen dies als Kon­se­quenz ihrer eige­nen frei­en Ent­schei­dung. Kei­ne gefälsch­ten Ent­schul­di­gun­gen, kei­ne päd­ago­gi­schen Mätz­chen: mein Unter­richts­an­ge­bot ist ein Ser­vice, den sie aus frei­en Stü­cken anneh­men oder ableh­nen. Sein Wert bemisst sich als Funk­ti­on der Bedürf­nis­se und der Lebens­pla­nung sei­ner Abneh­mer. …“

    Sicher lässt sich die­se Aus­sa­ge an vie­len Punk­ten kri­ti­sie­ren, der dahin­ter ste­cken­de Qua­li­täts­an­spruch an den eige­nen Unter­richt und an die Urteils­fä­hig­keit man­cher Schü­ler, impo­niert mir.

  10. trotz­dem arbei­ten ein nicht unbe­trächt­li­che Anzahl der Leh­rer genau nach die­ser Metho­de. Ihnen fehlt bloß der Name dafür.

    Ihre sati­ri­sche Erfin­dung, beson­ders bezüg­lich der Namens­ge­bung (Patent­reif) die wir alle irgend­wann von irgend­ei­nem Lehrer/in schon ken­nen­ge­lernt haben, fin­de ich geni­al. Es scheint mir, dass es genü­gend Leh­rer gibt, die eine Didak­tik anwen­den, die es eigent­lich gar nicht gibt. Hm? Ver­kehr­te Welt!

    Wenn der Schü­ler sich nicht vor­be­rei­ten kann, war­um geht er noch zur Schu­le? Könn­te er nicht zu Hau­se blei­ben und nur noch zur Prü­fung erschei­nen?

    🙂 ALP

  11. > Die ALP-Metho­de bewirkt nur Frus­tra­ti­on […]

    Die­se Metho­de gibt es in Wirk­lich­keit über­haupt nicht, sie ist mei­ne (sati­ri­sche) Erfin­dung 😉

    > Sagen sie doch offen, dass die Schü­ler sich nicht vor­be­rei­ten kön­nen

    ??? Genau das habe ich eigent­lich geschrie­ben …

  12. Die ALP-Metho­de bewirkt nur Frus­tra­ti­on, denn auch gute lern­wil­li­ge Schü­ler wer­den damit eher so frus­tiert, dass sie gar nichts mehr machen und völ­lig abtau­chen, wobei sie in spä­te­ren Jah­ren viel­leicht weil sie nicht schlecht waren, son­dern nur wegen die­ser ALP-Metho­de vor­zei­tig aus dem Ren­nen gezo­gen wur­den, noch­mals an die­ser Stel­le anset­zen und wei­ter­ler­nen. Zu spät durch sol­che Maß­nah­men.

    Vie­le mei­ner Kol­le­gen haben nur des­halb spä­ter erst erfolg­reich ler­nen kön­nen, denn jun­ge Men­schen haben gera­de wegen ihres Alters eine nied­ri­ge Frus­tra­ti­ons­schwel­le.

    ALP habe ich als Schü­ler auch erlebt, gera­de noch über­lebt, aber es ist für mich eine siche­re Metho­de, noch viel mehr schlech­te­re Schü­ler zu pro­du­zie­ren als beab­sich­tigt. Ich fin­de es für unsin­nig und ver­lo­gen so zu unter­rich­ten.

    Sagen sie doch offen, dass die Schü­ler sich nicht vor­be­rei­ten kön­nen, son­dern im Prin­zip schon alles gemacht haben müs­sen, was irgend­wie mög­lich wäre. Unlo­gisch ALP. Eigent­lich ist der Leh­rer über­flüs­sig für mich, wenn er sich mit sol­cher Metho­den bedient, denn wenn der Lern­stoff nicht abge­fragt wird, der im Unter­richt ver­mit­telt bzw. vor­be­rei­tet wird. Ich bin natür­lich nicht der Mei­nung, dass man alles aus­wen­dig ler­nen kann und vor­ge­kaut, aber wenn Unter­richt, dann auch mit Abprü­fung die­ser The­men und nicht wegen der tol­len Metho­de und wie klas­se man was macht als Leh­rer. Brau­chen wir wirk­lich nicht, noch mehr frus­tier­te Jugend­li­che, die sich abschot­ten, wegen Lehr­kräf­te, die mal was gelernt haben und nicht wis­sen was es bewir­ken kann

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