Ein Gast­bei­trag von Björn Bol­ler­mann. Er hat eine Mar­kie­rungs­me­tho­de ent­wi­ckelt, die er ‚Ampel­sys­tem‘ nennt. Die Anwen­dung die­ser Metho­de ist an die Funk­ti­ons­wei­se des Gehirns gekop­pelt und soll Merk‑, Ver­ste­hens- und Ana­ly­se­pro­zes­se opti­mie­ren:

Beim Ampel­sys­tem han­delt es sich um ein mul­ti­f­ak­tio­rel­les Mar­kie­rungs- und Deko­die­rungs­sys­tem. Es arbei­tet zum einen mit einer drei­stu­fi­gen Visua­li­sie­rungs­me­tho­de, um gele­se­ne Infor­ma­tio­nen bes­ser im Kurz­zeit­ge­dächt­nis spei­chern und im Anschluss ins Lang­zeit­ge­dächt­nis über­füh­ren zu kön­nen. Zum ande­ren kön­nen die mar­kier­ten Inhal­te als Grund­la­ge für Reproduktions‑, Ana­ly­se- und Bewer­tungs­pro­zes­se ver­wen­det wer­den. Bezo­gen auf den jewei­li­gen Fil­ter, zum Bei­spiel schu­li­sche Auf­ga­ben im Rah­men einer Text­ana­ly­se, kann so mit den Far­ben Rot, Gelb und Grün ein Sys­tem kon­tex­tua­li­sier­ter Sinn­ein­hei­ten geschaf­fen wer­den. Durch die in unse­rem Kul­tur­kreis fest­ge­leg­te Bedeu­tung der Far­be Rot als Stopp-Signal, fun­giert die­se als visu­el­ler Trig­ger­punkt oder auch Anker für eine wich­ti­ge Text­stel­le. Die Far­ben Gelb und Grün wer­den für ergän­zen­de Mar­kie­run­gen genutzt, wie etwa die inhalt­li­che Unter­füt­te­rung eines Ankers oder auch rhe­to­ri­sche Mit­tel. Je nach Text­for­mat und Auf­ga­ben­stel­lung, sind die­se jedoch frei ein­setz­bar.

Über die Mar­kie­rungs- und Merk­pro­zes­se hin­aus, ist das Ampel­sys­tem aus lern­psy­cho­lo­gi­scher Sicht ein­ge­bet­tet in die neu­ro­bio­lo­gi­sche Funk­ti­ons­wei­se und die Hand­lungs­steue­rung des Gehirns. Basie­rend auf der Hirn­for­schung zur Spei­che­rung von Infor­ma­tio­nen, emp­fiehlt sich eine Visua­li­sie­rung der roten Anker ori­en­tiert am Kon­zept des Chun­kings. Hier­zu wur­de bereits wis­sen­schaft­lich unter­sucht, wie vie­le Infor­ma­tio­nen das Kurz­zeit­ge­dächt­nis par­al­lel ver­ar­bei­ten kann. Im Rah­men einer Auf­ga­ben­stel­lung und dem zuge­hö­ri­gen Mar­kie­rungs­vor­gang, soll­ten nicht mehr als sie­ben bis neun Anker ver­wen­det wer­den.

Das hier vor­ge­stell­te Mar­kie­rungs­sys­tem ist auf­grund sei­ner Struk­tur im Ver­gleich zu übli­cher Text­ar­beit mit einem Mehr­auf­wand ver­bun­den. Daher ist es aus lern­psy­cho­lo­gi­scher Sicht und im Sin­ne des wis­sen­schafts­pro­pä­deu­ti­schen Arbei­tens impe­ra­tiv, den Schü­le­rin­nen und Schü­lern trans­pa­rent zu machen, dass die­ser Mehr­auf­wand in einem Mehr­wert resul­tie­ren kann. Durch die Ein­füh­rung des Ampel­sys­tems im Rah­men eines lern­psy­cho­lo­gisch trans­pa­ren­ten Kon­tex­tes soll ver­mie­den wer­den, dass die Ler­ner das Mar­kie­rungs­sys­tem nur nut­zen, weil die Lehr­kraft es vor­gibt. Hier kann das PSI-Modell, Per­sön­lich­keits­Sys­tem-Inter­ak­ti­ons-Modell zur Hand­lungs­steue­rung des Men­schen, ver­wen­det wer­den, eine frei­wil­li­ge Nut­zung des Ampel­sys­tems zu begüns­ti­gen, auch wenn des­sen Nut­zung nicht vor­ge­ge­ben ist. Eine Hand­lungs­pla­nung und ‑durch­füh­rung geschieht dann moti­viert, wenn ein Mensch Sinn im eige­nen Tun erkennt. Gelingt es einer Lehr­kraft die Lern­um­ge­bung so zu gestal­ten, dass die Schü­le­rin­nen und Schü­ler bei Anwen­dung des Ampel­sys­tems fest­stel­len, dass die­ses Vor­ge­hen effek­ti­ver ist als her­kömm­li­ches Mar­kie­ren, mit zum Bei­spiel nur einer Far­be und belie­bi­ger Häu­fig­keit, schafft man einen Nähr­bo­den für eine kon­ti­nu­ier­li­che Nut­zung.

Um Inhal­te wie­der­ge­ben, abs­tra­hie­ren oder mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren zu kön­nen, müs­sen die­se zunächst prä­sent, also abruf­bar sein. Sowohl im Kon­text einer unmit­tel­bar zu bear­bei­ten­den Auf­ga­be als auch in Bezug auf Merk­pro­zes­se für das spä­te­re Abru­fen von Infor­ma­tio­nen, kann das Ampel­sys­tem, ein­ge­bet­tet in einen wis­sen­schafts­pro­pä­deu­ti­schen Kon­text, fol­gen­des leis­ten: Aus­ge­hend von einer neu­ro­bio­lo­gisch opti­mier­ten Visua­li­sie­rung auf­ga­ben­ori­en­tier­ter Infor­ma­tio­nen, ver­bes­sert die­ses Mar­kie­rungs­sys­tem nicht nur das Text­ver­ständ­nis im Rah­men des Lese­pro­zes­ses son­dern schafft die Grund­la­ge, aus­ge­wähl­te Inhal­te dau­er­haft ins Lang­zeit­ge­dächt­nis trans­fe­rie­ren zu kön­nen. Die mar­kier­ten Chunks fun­gie­ren hier­bei sowohl als Inhalts­an­ker als auch Gedächt­nis­an­ker. Durch die zusätz­li­che Unter­ord­nung der gel­ben und grü­nen Mar­kie­run­gen, wer­den die auf­ga­ben­ori­en­tier­ten Inhal­te so hier­ar­chi­siert, dass eine Reak­ti­vie­rung und Spei­che­rung der Infor­ma­tio­nen begüns­tigt wer­den. Dies kann unter ande­rem durch die Nut­zung der Skim­ming-Lese­tech­nik oder aber das mehr­fach geziel­te Wie­der­ho­len von Inhal­ten gesche­hen. So sind die Schü­le­rin­nen und Schü­ler sowohl in einer direk­ten Unter­richts­si­tua­ti­on gut vor­be­rei­tet, als auch mit­tel- und lang­fris­tig für zum Bei­spiel eine Podi­ums­dis­kus­si­on oder eine Klau­sur. Hier geht es nicht nur dar­um Inhal­te zu reak­ti­vie­ren, son­dern auch dar­um Sach­ver­hal­te zu ana­ly­sie­ren und zu bewer­ten. Nur wenn jemand Infor­ma­tio­nen zu bestimm­ten Sach­ver­hal­ten auf der inne­ren Fest­plat­te gespei­chert hat, kön­nen die­se Sach­ver­hal­te adäquat mit­ein­an­der kom­bi­niert wer­den.“

Sei­ne Erfah­run­gen mit sei­ner Metho­de fasst Björn fol­gen­der­ma­ßen zusam­men:

Mein sub­jek­ti­ver Ein­druck ist es, dass vie­le SuS im Rah­men der Arbeit an der Ganz­schrift von der Nut­zung des Ampel­sys­tems pro­fi­tiert haben. Wir konn­ten dadurch inhalt­li­che und sti­lis­ti­sche Aspek­te sicht­bar machen, die vie­len SuS ansons­ten viel­leicht ver­bor­gen geblie­ben wären. Davon ab hat der Kurs die Metho­de ganutzt, um Mind­maps zu erstel­len, die für die Klau­sur­vor­be­rei­tung genutzt wur­den. Damit es die Kids zeit­lich nicht über­for­der­te, habe ich sie dar­an teils im Unter­richt teils auch Zuhau­se arbei­ten las­sen. Die Erfah­run­gen mit dem Sys­tem sind auch in mei­ner eige­nen Klas­se durch­weg posi­tiv. Die SuS bekom­men z.B. in Klas­sen­ar­bei­ten ein Zeit­fens­ter, wel­ches sie für die Text­ar­beit nut­zen kön­nen.“

Hier der voll­stän­di­ge Arti­kel und die Lite­ra­tur­lis­te. Bei Fra­gen kannst du Björn eine Mail schrei­ben.