Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

Wholefood Plant-Based Diet

Vor ein paar Wochen habe ich mei­ne Ernäh­rung weit­ge­hend auf eine „voll­wer­ti­ge pflan­zen­li­che“ Ernäh­rung umge­stellt, also kein Fleisch (aller­dings noch ab und Fisch), kei­ne Eier und (außer Käse) kei­ne Milch­pro­duk­te. [1]

Gro­ßen Ein­fluss auf mei­ne Ent­schei­dung hat­ten die Doku­men­ta­tio­nen „H.O.P.E. What You Eat Mat­ters“ und „Domi­ni­on“.

Das m.E. bes­te (und kür­zes­te!) Buch zum The­ma „Gesun­de Ernäh­rung“ ist für mich „64 Grund­re­geln Essen“ von Micha­el Pol­lan. Alles was man eigent­lich über Ernäh­rung wis­sen muss, fast er fol­gen­der­ma­ßen zusam­men: „Eat Food. Not too much. Most­ly plants“.

Wäh­rend für Pol­lan ab und zu Fleisch zu essen noch ver­tret­bar ist, ist Jona­than Safran Foer strikt gegen „Tie­re essen“. Er beschreibt die unfass­ba­re Grau­sam­keit heu­ti­ger Mas­sen­tier­hal­tung (sie­he dazu auch das Video Meet Your Meat) und beschäf­tigt sich auch mit den mora­lisch-ethi­schen Aspek­ten des The­mas.

Das bes­te Buch über ver­ga­ne Ernäh­rung ist für mich „How Not To Die“ [trotz des eng­li­schen Titels ein DEUTSCHES Buch!] mit dem dazu­ge­hö­ri­gen Koch­buch. Das gan­ze Kon­zept ist extrem ein­fach, man muss sich ledig­lich am „dai­ly dozen“ ori­en­tie­ren (gibt es auch als App).

Ich habe viel gele­sen und mir vor allem vie­le Vor­trä­ge ange­se­hen. Beson­ders beein­druckt (und moti­viert) haben mich Dr. Neal Bar­nard, Dr. Micha­el Kla­per und Prof. T. Colin Camp­bell.

Am meis­ten haben mich bei die­sen Vor­trä­gen immer die oft gera­de­zu unglaub­li­chen Trans­for­ma­tio­nen von Leu­ten fas­zi­niert und moti­viert, die vor­her „fat, sick and near­ly dead“ waren und inner­halb weni­ger Wochen z.B. wie­der gehen oder auf Medi­ka­men­te ver­zich­ten konn­ten.

Aus die­sem Grund habe ich mal ein per­sön­li­ches „Ran­king“ all mei­ner Ver­än­de­run­gen erstellt. Das ent­schei­den­de Kri­te­ri­um ist dabei, wie­viel Lebens­qua­li­tät eine Ver­än­de­rung gebracht hat:

  • Inner­halb von weni­gen Wochen habe ich fünf Kilo abge­nom­men (Update: Sep­tem­ber neun) und zwar OHNE Hun­gern, OHNE Kalo­ri­en­zäh­len, OHNE (inter­mit­tie­ren­des) Fas­ten und OHNE Ernäh­rungs­ta­ge­buch. Und trotz­dem gibt es ziem­lich regel­mä­ßig ein biss­chen Scho­ko­la­de (70% Kakao) und ein Glas Wein oder Bier!
  • Mei­ne Ver­dau­ung hat sich deut­lich ver­bes­sert. Noch vor weni­gen Wochen litt ich (wie ca. 75% aller Fleisch­esser) immer wie­der unter Ver­stop­fung.
  • Mei­ne Gelenk­schmer­zen (vor allem im Knie) sind inner­halb weni­ger Tage kom­plett ver­schwun­den.
  • Ich habe mei­ne Zucker­sucht über­wun­den und kann end­lich Süßes (meis­tens ;-)) kon­trol­liert genie­ßen. Dass ich süch­tig nach Zucker war, habe / hät­te ich bis vor kur­zem natür­lich hart­nä­ckig geleug­net. Das war natür­lich nur mein „sweet tooth“ und ich hat­te „alles voll im Griff“ – halt das Übli­che, was man sich so ein­re­det, auch wenn man eigent­lich weiß, dass es nicht stimmt.
  • Mei­ne Aus­dau­er hat sich (natür­lich auch durch das gerin­ge­re Gewicht) deut­lich ver­bes­sert, ohne dass ich här­ter oder mehr trai­nie­ren wür­de. Bis­lang war mit dem Renn­rad meis­tens bei ca. 100 km Schluss und ich war ko. Inzwi­schen kann ich mit Spaß 150 km fah­ren.
  • Die blei­er­ne Müdig­keit, unter der ich tags­über oft gelit­ten habe, ist von einem Tag auf den ande­ren völ­lig ver­schwun­den.
  • Abend­li­che (Heiß-)Hun­ger­at­ta­cken sind eben­falls von einem Tag auf den ande­ren ver­schwun­den. Trotz eigent­lich völ­lig aus­rei­chen­dem Abend­essen habe ich frü­her oft spät abends noch mal rich­tig Hun­ger bekom­men und muss­te etwas essen.
  • Das Gesamt-Cho­le­ste­rin ist von 229 auf 180, das „schlech­te“ LDL-Cho­le­ste­rin von 141 auf 112 gesun­ken. (Mein Ziel ist das Gesamt-Cho­le­ste­rin unter 150 und LDL unter 100 zu bekom­men.)
  • Ich bin im Kopf kla­rer und kann mich bes­ser kon­zen­trie­ren.
  • Mei­ne Gesamt­stim­mung hat sich gebes­sert und ich bin (z.B. in der Schu­le) stress­re­sis­ten­ter gewor­den.

Das ist zwar schon eine recht ansehn­li­che Lis­te, aber noch gar nichts im Ver­gleich zu den „mind-blo­wing trans­for­ma­ti­ons“, die ande­re Leu­te durch­ge­macht haben.

Vie­le Leu­te den­ken, dass man bei einer fleisch­lo­sen Ernäh­rung Unmen­gen an Ergän­zungs­mit­teln, Pül­ver­chen und Wäs­ser­chen zu sich neh­men müss­te – alles Quatsch! Ich neh­me ledig­lich Vit­amin B12. Da ich ger­ne und viel drau­ßen bin, brau­che ich mir um Vit­amin D kei­ne Gedan­ken zu machen und dank Wal­nüs­sen, Lein- und Chia­sa­men neh­me ich genü­gend essen­ti­el­le (Ome­ga 3) Fett­säu­ren zu mir.

Kein Fleisch bzw. keine(n) Wurst mehr zu essen, fällt mir nicht schwer. Wenn man ein­mal gese­hen hat, woher unser Fleisch kommt und was in einem Schlacht­haus wirk­lich pas­siert (sie­he z.B. die bei­den oben genann­ten Dokus), dann ver­geht einem eh der Appe­tit. Im Gegen­satz dazu fällt mir der Ver­zicht auf Käse schwer, des­we­gen bin ich da auch nicht wirk­lich kon­se­quent.

Am schwers­ten war am Anfang einen Ersatz für mein gewohn­tes Früh­stück mit Schin­ken, Käse und Mar­me­la­de zu fin­den. Zwar mag ich Hum­mus und es gibt ja auch alle mög­li­chen vega­nen Brot­auf­stri­che / Pas­ten, aber die meis­ten schme­cken mir nicht und pas­sen für mei­nen Geschmack alle nicht so recht zum Früh­stück. Zwar esse ich jetzt zum Früh­stück eine gro­ße Scha­len 5‑Korn Flo­cken mit Hafer- oder Man­del­milch mit Obst, Nüs­sen, Samen (Lein‑, Chia- oder Hanf­sa­men), Zimt und ein paar Kakao Nibs, aber das reicht mir nicht für den gan­zen Vor­mit­tag.

Alles in allem war die Ernäh­rungs­um­stel­lung eine der bes­ten und wich­tigs­ten Ent­schei­dun­gen, die ich jemals in mei­nem Leben getrof­fen habe. Du möch­test kei­ne so radi­ka­le Ver­än­de­rung haben? Kein Pro­blem – fang ein­fach schritt­wei­se an. Du kannst leicht auf Eier ver­zich­ten? Dann fang doch damit an, und schon nimmst du weni­ger gesät­tig­tes Fett und schäd­li­ches Cho­le­ste­rin zu dir – dei­ne Arte­ri­en wer­den es dir dan­ken. Du machst dir eh nicht viel aus Milch? Dann trink ein­fach kei­ne mehr – und schon belas­test du dei­nen Kör­per nicht mehr mit Östro­gen und krebs­er­re­gen­den Wachs­tums­hor­mo­nen. Du willst nicht voll­kom­men auf Fleisch ver­zich­ten? Dann redu­zie­re dei­nen Kon­sum auf ein- bis zwei­mal in der Woche, iss dafür aber nur noch Fleisch von bes­ter Bio-Qua­li­tät („grass-fed“). Denk dran: Jedes Steak, jedes Schnit­zel und jeder Ham­bur­ger, das/den du NICHT isst, macht dich ein klei­nes biss­chen gesün­der und ist ein klit­ze­klei­ner Schritt in Rich­tung auf eine „cru­el­ty-free world“.

Du hast schon mal ver­sucht dich gesün­der zu ernäh­ren, aber es ist dir fürch­ter­lich schwer gefal­len, weil dir das gesun­de Essen nicht so rich­tig geschmeckt hat und du des­halb den Ver­such rela­tiv schnell wie­der abge­bro­chen hast? Das ist völ­lig nor­mal, denn durch den gan­zen Junk Food Dreck sind wir alle (ohne uns des­sen im min­des­ten bewusst zu sein) in der „plea­su­re trap“ gefan­gen und es braucht eine Zeit­lang bis man sich aus ihr befreit hat und die Geschmacks­ner­ven sich an „nor­ma­les“ Essen gewöhnt haben und es (wie­der) gut schmeckt. Schau dir die­sen Vor­trag an, dann ver­stehst du bes­ser, war­um es am Anfang so schwie­rig ist. Viel Erfolg!

[1] Die meis­ten Leu­te bezeich­nen die­se Ernäh­rung als „vegan“, ich bevor­zu­ge den Begriff „voll­wer­tig pflan­zen­ba­siert“, weil man sich zwar „vegan“ aber trotz­dem ziem­lich unge­sund ernäh­ren kann (das erklärt, war­um es natür­lich auch über­ge­wich­ti­ge Vega­ner gibt). So kann man z.B. zum Früh­stück statt Voll­korn­flo­cken gesüß­te Cerea­li­en oder – noch schlim­mer – Toast mit Nutel­la essen. Oder man isst dubio­se, oft sehr fett- und zucker­hal­ti­ge „Flei­scher­satz­pro­duk­te“.

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  1. Mathias

    Mann, und ich hat­te auf ne Dis­kus­si­on der Abi­auf­ga­ben gehofft.

    • WAS willst du denn dis­ku­tie­ren? Die wie­der mal über­aus anspruchs­vol­len Car­toons? Das idio­ti­sche Mul­ti­tas­king beim Hör­ver­ste­hen? Die lächer­li­che Län­ge des Com­po­si­ti­on? Habe ich doch alles schon x‑mal the­ma­ti­siert. Wozu noch ein wei­te­res Mal?

  2. max

    Erfreu­lich, daß das für Dich so gut funk­tio­niert! Berich­te bit­te wei­ter!

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