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Die bei­den nach mei­ner Erfah­rung bei Schü­lern belieb­tes­ten Über­set­zungs-Sites sind LEO und  dict.cc. Schaun wir mal, was pas­siert, wenn du auf einer die­ser Sei­ten nach einer Über­set­zung sucht. 

Stel­len wir uns aber vor­her mal vor, dass du DEUTSCH lernst und wis­sen möch­test, wel­che Bedeu­tun­gen das Wort Läu­fer hat. Du schaust also z.B. im Duden nach. War­um steht die Bedeu­tung Sport­ler an ers­ter und Schach­fi­gur erst an drit­ter Stel­le?

In jedem gedruck­tem Lexi­kon wer­den Bedeu­tun­gen nach ihrer Häu­fig­keit (fre­quen­cy) und Bedeutung/Relevanz (rele­van­ce) ange­ord­net. Das Wort Läu­fer wird also im Deut­schen am häu­figs­ten in der Bedeu­tung Sport­ler und nicht so häu­fig in der Bedeu­tung Schach­fi­gur ver­wen­det.

Woher weiß man, in wel­cher Bedeu­tung ein Wort am häu­figs­ten benutzt wird? Frü­her haben Lexi­ko­gra­fen (= Ver­fas­ser von Lexi­ka) dies nach ihrem Sprach­ge­fühl „aus dem Bauch her­aus“ ent­schie­den. Heut­zu­ta­ge ver­wen­det man dafür sog. Kor­po­ra. Ein Kor­pus ist ein rie­si­ge Daten­men­ge von ganz unter­schied­li­chen Tex­ten, wie Büchern, Zei­tungs- und Zeit­schrif­ten­ar­ti­keln und auch tran­skri­bier­ter münd­li­cher Spra­che (die vor­her auf­ge­nom­men wur­de).

Stel­len wir uns jetzt vor, dass es um Schach geht und du wis­sen möch­test, wie die Schach­fi­gur Läu­fer auf Eng­lisch heißt. Du schaust also bei LEO nach:

leo

Du bekommst eine ziem­li­che lan­ge Lis­te von allen mög­li­chen Über­set­zun­gen, wobei du bei den wenigs­ten erfährst (vgl. sport., Tep­pich, Stein, Far­ben & Lacke), in wel­chem Zusam­men­hang sie gebraucht wer­den. Eini­ge Erklä­run­gen („on a meta­te“ bei mano) sind völ­lig unver­ständ­lich. Auch ein Klick auf den blau­en Infor­ma­ti­ons-But­ton bringt einen nicht wei­ter. Unse­re eigent­lich gesuch­te Über­set­zung, näm­lich bishop (vgl. die­sen Ein­trag) ist ÜBERHAUPT NICHT DABEI. Statt­des­sen bekommt man alle mög­li­chen sehr spe­zi­el­len, z.B. tech­ni­schen Wör­ter, teil­wei­se auch völ­li­gen Unsinn, wie mano (ita­lie­nisch für Hand). Die Rei­hen­fol­ge der Bedeu­tun­gen ist völ­lig will­kür­lich, mes­sen­ger (= Bote) kommt erst nach dem unsin­ni­gen mano und dem eben­falls fal­schen grind stone.

Wie kom­men die­se Ein­trä­ge über­haupt zustan­de? Das Meis­te bei LEO ist sog. user-gene­ra­ted con­tent, d.h. der „Inhalt“ wird von irgend­wel­chen Usern „gene­riert“ (= pro­du­ziert). Theo­re­tisch kann also jeder irgend­was ein­tra­gen, egal ob das kom­plet­ter Quatsch (wie mano) oder sehr spe­zi­el­le Bedeu­tun­gen sind. Eine redak­tio­nel­le Kon­trol­le der Inhal­te fin­det im Nor­mal­fall nicht statt. Die Fol­ge ist, dass vie­le Ein­trä­ge schlicht­weg falsch sind bzw. Spe­zi­al­be­deu­tun­gen bzw. ‑über­set­zun­gen bie­ten, die als sol­che aber häu­fig nicht erkenn­bar sind, weil die ent­spre­chen­den labels (für Tech­nik, Medi­zin, Jura etc.) feh­len.

Bei dict.cc schaut es schon deut­lich bes­ser aus:

dict

Da steht zwar als ers­te Bedeu­tung der Tep­pich und als zwei­tes kommt statt des run­ner ein Spe­zi­al­wort aus der Elek­tro­nik, aber immer­hin taucht unser bishop mit dem Zusatz chess bzw. Schach an vier­ter Stel­le auf. Es gibt viel mehr Zusatz­in­for­ma­tio­nen, aller­dings immer noch vier Über­set­zun­gen ohne irgend­wel­che wei­te­ren Zusatz­in­for­ma­tio­nen.

Und nun zum der­zeit bes­ten zwei­spra­chi­gen Lexi­kon, dem PONS:

pons

Komi­scher­wei­se kommt der eher sel­te­ne bishop an ers­ter Stel­le, wäh­rend der viel häu­fi­ge­re run­ner erst nach dem Tep­pich an drit­ter Stel­le kommt. Aber ers­tens ist der gan­ze Ein­trag viel über­sicht­li­cher als bei LEO und dict.cc und noch wich­ti­ger, es wer­den nur wirk­lich rele­van­te Über­set­zun­gen gebo­ten und man wird nicht durch Spe­zi­al­be­deu­tun­gen ver­wirrt.

Der größ­te Vor­teil sind jedoch die Bei­spiel­sät­ze:

pons2

Durch den Zusam­men­hang kann man viel bes­ser ent­schei­den, ob die gefun­de­ne Über­set­zung auch wirk­lich in den jewei­li­gen Zusam­men­hang passt. Durch den Zusatz „redak­tio­nell über­prüft“ kann man sich dar­auf ver­las­sen auch wirk­lich rich­ti­ge Über­set­zun­gen zu bekom­men.

Fazit: Wenn du in Zukunft Wör­ter online nach­schlägst, soll­test du das nur im PONS machen und nicht mehr bei LEO bzw. dict.cc.

Anspie­lung in der Über­schrift: Eigent­lich heißt es „Gut gebrüllt, Löwe“ und der wis­sen­schaft­li­che Name des Löwen ist „Pan­the­ra LEO“.