Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium und ein bisschen Tango

Nicht so positiv!

Info für Nicht-Bay­ern: Steg­reif­auf­ga­ben bzw. Extem­po­ra­li­en („Exen“) sind nicht ange­sag­te, kur­ze Tests (meis­tens über Wort­schatz und Gram­ma­tik) über den Stoff der letz­ten (bzw. letz­ten bei­den) Stunde(n). Exen wer­den in der­sel­ben Stun­de in der sie zurück­ge­ge­ben und bespro­chen wur­den, auch wie­der ein­ge­sam­melt.

[Das im Fol­gen­den Gesag­te gilt auch für Wort­schat­z/Gram­ma­tik-Tei­le in Schulaufgaben/Klausuren, die eine ein­deu­ti­ge Lösung haben.]

Immer wie­der sehe ich, wie (vor allem jun­ge) Kollegen/innen Steg­rei­faufga­ben „posi­tiv“ kor­ri­gie­ren, also Feh­ler unter­strei­chen, Fal­sches durch­strei­chen, Rich­ti­ges drü­ber­schrei­ben und viel­leicht auch noch, weil’s so schön ist, dop­pel-mop­peln. Mir ist das alles viel zu viel Auf­wand, ich kor­ri­gie­re (mit Aus­nah­me von Recht­schreib­feh­lern) aus­schließ­lich „nega­tiv“, d.h. ich mar­kie­re ledig­lich durch Unter­strei­chen (und ggf. das Häk­chen für einen hal­ben Feh­ler) die Feh­ler. 

Wozu so auf­wän­dig „posi­tiv“ kor­ri­gie­ren, wenn es im Nor­mal­fall doch nur EINE rich­ti­ge Lösung gibt, die du bei der Bespre­chung / Ver­bes­se­rung schön lang­sam und deut­lich angibst, damit Schü­ler, die das wol­len, Zeit haben die rich­ti­ge Lösung zu „ihren“ Feh­lern mit­zu­schrei­ben. Sei­en wir ehr­lich: Nor­ma­ler­wei­se inter­es­siert die Ver­bes­se­rung kei­ne S**. Otto Nor­mal­schü­ler über­prüft höchs­tens noch, ob der Leh­rer bei der Addi­ti­on der Feh­ler rich­tig gerech­net hat, ansons­ten ist die Ex „abge­hakt“ und du musst die Schü­ler zwin­gen extri­nisch moti­vie­ren, wenigs­tens so zu tun, als ob sie sich bei der Ver­bes­se­rung ihre Arbeit anschau­en wür­den.

Ah ok, ver­ste­he, du kor­ri­gierst so auf­wän­dig, weil du möch­test, dass dei­ne Schü­ler „aus ihren Feh­lern ler­nen“. Ich schla­ge dir fol­gen­des Expe­ri­ment vor: Nach­dem du die nächs­te Ex zurück­ge­ge­ben hast, gibst du dei­nen SuSen noch­mal zusätz­li­che 10 Minu­ten: „Ich möch­te, dass ihr euch jetzt eure Feh­ler und mei­ne Kor­rek­tu­ren sorg­fäl­tig anschaut bzw. lernt, damit ihr in Zukunft nicht die­sel­ben Feh­ler wie­der macht.“ Und dann schreibst du in der (über-)nächsten Stun­de genau DIESELBE Steg­reif­auf­ga­be noch­mal und schaust, ob die (angeb­lich) „Ler­nen­den“ aus ihren Feh­ler gelernt haben. Ich bin mir ziem­lich sicher, dass das Resul­tat ernüch­ternd sein wird.

Dadurch, dass du fast nur rote Feh­ler-Unter­strei­chun­gen hast, wird das Addie­ren viel leich­ter, weil dei­ne Augen nur noch von einem roten Strich zum nächs­ten sprin­gen müs­sen und nicht mehr durch rote Kor­rek­tu­ren „auf­ge­hal­ten“ wer­den.

Hier ein Bei­spiel, wie so eine Kor­rek­tur bei mir aus­sieht (kli­cken zum Ver­grö­ßern):

korrektur

Bei Nr. 11 siehst du, dass ich bei unle­ser­li­cher bzw. nicht ein­deu­ti­ger Schrift ziem­lich rabi­at bin. Vor Beginn erin­ne­re ich die Schü­ler dar­an, sau­ber und leser­lich zu schrei­ben. Am Ende der Arbeits­zeit wei­se ich expli­zit dar­auf hin, dass die Schü­ler alles noch­mal auf Les­bar­keit bzw. Ein­deu­tig­keit über­prü­fen und dabei beson­ders auf die Voka­le ach­ten sol­len. Auch wenn Buch­sta­ben (vor allem Voka­le) über­ein­an­der geschrie­ben wer­den, so dass man z.B. nicht erken­nen kann, ob das jetzt ein a, o oder u sein soll, gebe ich sofort einen hal­ben Feh­ler.

Bist du auch (noch) in der glück­li­chen Lage, dass du Steg­reif­auf­ga­ben ein­fach abge­ben  / able­gen kannst, ohne schlech­te Schnit­te recht­fer­ti­gen zu müs­sen? Dann soll­test du das Gan­ze noch effi­zi­en­ter machen. Nimm mei­ne Tabel­le (zip) und wäh­le eine ange­mes­se­nen Punk­te­schlüs­sel. Bei Exen habe ich IMMER den­sel­ben Schlüs­sel: Für Note 1 min­des­tens 90%, Note 2 80%, Note 3 70%, Note 4 55% und Note 5 40% der mög­li­chen BE / Punk­te. Kor­ri­gie­re die Ex, addie­re die Feh­ler und tra­ge sie in die Tabel­le ein. Anschlie­ßend über­prüfst du, ob der Schü­ler knapp die schlech­te­re Note bekom­men wür­de, weil ihm z.B. nur ein Punkt zur bes­se­ren Note fehlt. In mei­ner Tabel­le erscheint in so einem Fall in der Spal­te D ein ‚+‘. Falls nötig machst du das Gan­ze (wie immer „In dubio pro disci­pu­lo“) ein­deu­tig und schreibst gleich die Note und die Punkt­zahl auf die Arbeit und zeich­nest ab, d.h. du nimmst jede Arbeit nur EINMAL in die Hand.

Du mar­kierst / unter­streichst nicht nur Fal­sches , son­dern „hakelst“ rich­ti­ge Ant­wor­ten ab? Spar dir doch die­sen „roten Over­kill“, der macht auch nur völ­lig unnö­ti­ge Arbeit.

Falls du wis­sen möch­test, wie die Anga­be zu o.a. Ex (in mei­ner 7ten) aus­sieht:

1. – 3. Laut­schrift
4. I feel dir­ty, I think I’ll take a b~.
5. 70 n. Chr. = 70 ~
6. Don’t for­get to c~ your hair.
7. Letz­ten Monat sind römi­sche Löf­fel, Gabeln und Mün­zen gefun­den wor­den.
8. Who does this book ~ to? – I think it’s Julia’s.
9. Ich ken­ne sie seit fünf Jah­ren.
10. Ich mag die rote Jacke und die blaue.
11. Mir ist das Geld aus­ge­gan­gen (r~).
12. Er gräbt (schon) seit drei Uhr.
13. Lei­der war die­ses Glas sehr wert­voll (v~).
14. Möch­test du den Zaun anma­len (p~)?

Was die Schü­ler jeweils machen sol­len, steht in die­sem Han­dout (doc).

 

 

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  1. Sud

    Hal­lo,
    ich selbst stu­die­re zwei leben­de Fremd­spra­chen für das Lehr­amt an Gym­na­si­en in Bay­ern und bin ver­wun­dert, dass in der Ex Über­set­zun­gen dran­kom­men. Ist dies also doch noch mög­lich?
    Fin­de ich näm­lich bei man­chen Din­gen ganz sin­voll …
    Wir haben näm­lich gelernt, dass Wort­schatz nur noch ein­spra­chig und voll kon­tex­tua­li­siert abge­fragt wer­den muss/darf. Da habe ich aber teil­wei­se auch mei­ne Pro­ble­me damit, weil es ein­fach Wör­ter gibt, die sehr schwer erklär-/dar­stell­bar sind.

    Sud

    • > Ist dies also doch noch mög­lich?

      Der Quatsch mit den kon­tex­tua­li­sier­ten Auf­ga­ben (vgl. http://www.jochenenglish.de/?p=9170) ist an mei­ner Schu­le bis­lang gött­in­sei­dank nur in Schul­auf­ga­ben vor­ge­schrie­ben. Exen wer­den (noch) nicht respi­ziert, da habe ich also noch freie Hand.

      > Da habe ich aber teil­wei­se auch mei­ne Pro­ble­me damit, weil es ein­fach Wör­ter gibt, die sehr schwer erklär-/dar­stell­bar sind.

      Dar­um allein geht’s ja gar nicht. Wenn du nur noch ein­spra­chig abprüfst, fal­len z.B. alle Inter­fe­renz­feh­ler (vgl. Satz 9. Ich ken­ne sie seit 5 Jah­ren. – I know her sin­ce 5 years.) ein­fach unter den Tisch.

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