Thomas Gsella ist ein Meister (besser „Meista“) des komischen (italienischen) Sonetts:

Flüchtige Erinnerung

Ihr war, als sei sie wieder Kind.
Ein alter Duft lag in den Gassen,
Und ein ihr seltsam naher Wind
Begleitete die Untertassen,

Als diese ohne jeden Ton
Und schwerelos zu landen kamen.
Und so, als kenne sie dies schon,
Rief eins der Ufos ihren Namen:

„Elisabeth!“ schrie’s aus dem Rund,
Das bunt sich um sich selber drehte.
Da hielt Elisabeth den Mund;

Sie schwieg und duckte sich und spähte
Und blieb ganz stille, bis das Schiff
Dann wieder Richtung Weltraum pfiff.

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Selbst das Thema Fußball inspiriert ihn zu poetischen Höhenflügen:

Pokalromanze 

Er nahm den Ball, wie ihn nicht viele nehmen,
Und spielte ab. Der Paß kam punktgenau.
Der SV Meppen führte gegen Bremen.
Auf der Tribüne schnarchte Arnold Hau

Und sah nicht, wie der Stürmer aus dem Jemen
Den Ball zurückbekam. Und wie ein Pfau
Durchtanzte er die Abwehr, als aus Schemen
Der tausend Fans das Antlitz einer Frau

Ihn kurz vorm Abschluß wie ein Blitz erhellte
Und ach: das Tor war leer! aus allem riß:
Er schoß nicht. Er sah liebend hoch und schnellte

Zu jener, die wie eine Auserwählte
Ihn nahen sah und weinte, glücksgewiß,
Als er sich bittend ihr hinzugesellte.